Altsteinzeitliche Werkplätze in Battenberg/Pfalz
(palaeolithic finds
)

Pickelhaube, Fundstelle "Wasserloch"
Die Fundplätze Harzweiler Kopf und Pickelhaube werden von Kurt E. Kocher seit 1966 betreut. Erste Grabungen erfolgten 1967 durch Speyer und Tübingen. Der dort anstehende spättertiäre Süßwasserblockquarzit war eine ideale Voraussetzung für Werkplätze des Frühmenschen (homo erectus). Die tiefer gelegene Pickelhaube lag an der Terrasse eines 50 m breiten Flußes (ca. 2 Mio Jahre alt) der nach Spuhler im Pliozän von SW nach NO floß, das älteste hier feststellbare Gewässer. Er führte große Quarzgerölle und Schwarzweisachate mit sich und ist älter als das im Pleistozän entstandene Flußsystem des heutigen Gewässernetzes.
Die im Ackerland von 1966 bis 1998 aufgelesenen Werkzeugartefakte werden an der Universität Köln untersucht. Sie führen von Geröllgeräten (chopper und chopping-tools) über Spätacheuléen, Clactonien, Levallois-Technik bis hin zum sogenannten Moustérien. Seit dem Auftreten des ersten Frühmenschen hob sich das Gelände, analog dem Umfeld vom Urneckar bei Heidelberg, um ca. 60m. Fließerden bewegten die obenliegenden Fundschichten zu einer Senke hin und schufen horizontale Überschneidungen. Auswaschungen verdanken wir den heutigen Fundhorizont. Anstehender Hydrobienkalk hat sich aufgelöst, bis auf kalzinierte Knollen die leichter als Quarzit bearbeitet werden konnten.

Quarzit, Lampenboden, 7 cm
Durch schlagen, klopfen, meißeln, sticheln, schleifen und bohren von Quarz, Quarzit, Lehmstein, kalziniertem Hydrobienkalk und ortsfremden Materialien (Schwermetalloxide) entstanden hunderte von Darstellungen wie sie weltweit noch nie zu finden waren. Der Vielzahl des vergleichbaren Materials ist es zu verdanken, daß Schlagsteine, Ambosse, Schalen, Lampen, Darstellungen von Mensch und Tier, selbst Bootsdarstellungen nicht einzeln auftreten sondern in Serien mit deutlichen Bearbeitungsspuren (3 Bootsdarstellungen und 2 Rohrflötenbläser). Ein homogener Fundkomlex der auch an Darstellungen von Kaltzeittieren heranreicht. Die Entstehung dieser Objekte muß, den bestätigten Werkzeugartefakten und Darstellungen der ausgestorbenen Tierwelt zufolge (Flußpferde, Waldelefanten und verschiede Affenarten), zumindest den beiden letzten Zwischeneiszeiten (Warmzeiten) zugerechnet werden. Ein Bereich der durch den Idolfund von den Golanhöhen (ca. 230 000 Jahre alt) durchaus plausibel erscheint.
Mit Wüstenlack überzogene Werkzeugartefakte und weitere mit Wüstenlack überzogene Darstellungen könnten einem Wärmemaximum und somit dem homo erectus zugeordnet werden.


Die wissenschaftliche Bearbeitung der Werkzeugartefakte erfolgte an der Universität Köln. "Kerne der mittelpaläolithischen Steinbearbeitungswerkstatt Battenberg, Gm. Grünstadt (Pfalz)" Magisterarbeit an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln, vorgelegt von Ulrike Wohnhaas aus Bellamont im Februar 2001.

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Quarz, chopping-tool, 7,2 cm
Quarzit, geschlagen, gebohrt und genutzt, 10,8 x 10,3 cm