Spiele der Natur – eine wissenschaftliche Diskussion seit 1847
Präsentation vorgestellt im April 2006 an der Albertus Magnus Universität zu Köln.
Seit Boucher de Perthes (1788-1868) werden Hinweise auf Erscheinungsbilder von Mensch und Tier auf Geröllen aus Hochterrassen des Mittelpaläolithikums sowie solchen aus Flussbetten von der arrivierten Wissenschaft weitgehend als Spiele der Natur abqualifiziert. Eine Lehrmeinung an der schon 158 Jahre festgehalten wird.

Warum heute noch an dieser These festgehalten wird ist nicht zu verstehen, nachdem aus dem Mittelpäläolithikum bestätigte, anthropomorphe Darstellungen von den Golanhöhen und aus Nordafrika vorliegen. Diese steinernen Zeugen wurden von Wissenschaftlern auf 230 000 Jahre und älter datiert.

Die Geschichte der Fundmeldungen ist eine lange. Sie ist bekannt und Schriften anerkannter Wissenschaftler wie von Prof. Dr. Walther Matthes (Ordinarius an der Universität Hamburg) weisen darauf hin. In seiner Schrift „Eiszeitkunst im Nordseeraum“ (Niederelbe-Verlag, Otterndorf 1969) setzt er sich eingehend mit der Problematik dieses Komplexes auseinander. In seinem Schriftenverzeichnis nennt er außer Boucher de Perthes, Philippe Héléna Narbonne, Herbert Kühn und Hugo Obermaier, „Der Mensch der Vorzeit“ S. 399f.. 132 Abbildungen von zumeist im Hamburger Raum gefundenen Objekten begleiten die Schrift von Walther Matthes.

In den 80er Jahren erscheinen in den Niederlanden ca. 20 Ausgaben der Stiftung „Archaeologische Berichten“. Sie beschreiben Neufunde aus den Niederlanden und aus der Nähe von Hamburg. Diese Darstellungen sind vielfach vergleichbar mit den aus dem Abschwemmungshorizont gelesenen Artefakten des mittelpaläolithischen Fundplatzes Battenberg/Pfalz. „Kerne der mittelpaläolithischen Steinbearbeitungswerkstatt Battenberg/Pfalz“ lautet die Magisterarbeit von Ulrike Wohnhaas an der Universität zu Köln, 2001.

Wer Augen hat zu sehen, was leider nicht jedem beschieden ist, erkennt oft auch auf flachen Profilen, im Seitenlicht hervorgehoben, die entsprechenden Darstellungsformen. So liegen in den Vitrinen der Museen von Narbonne (Héléna), Tautavel, Abbeville (de Perthes), Les Eyzier Artefakte mit Arbeitskanten und Gesichts- und Tierdarstellungen.

Kriterien für zweckgebundene Darstellungen sind streng angelegt. Schlag-, Stichel- und Schleifspuren müssen deutlich und von mehreren Personen erkennbar sein. In Battenberg haben die Objekte zumeist eine Standfläche oder Steckspitze für eine horizontale Betrachtungsweise. Auch bearbeitetes, ortsfremdes Material wurde dort aufgefunden. Bei abgerollten Stücken aus Hochterrassen und Flusstälern ist eine deutliche Erkennung oft schwierig. Begleitmaterial mit Werkzeugartefakten wie in Hamburg (Niederlande, Matthes und Benekendorff) ist erforderlich. Auch Analogien zu Gestaltungsformen sind wichtig. Die Funde der letzten Jahrzehnte haben hiervon zu mehreren Fundplätzen zahlreiches Material zutage gefördert. Selbst Themengruppen konnten zusammengestellt werden (Benekendorff).

Die vergangenen Zwischeneiszeiten umfassen unvorstellbar lange Zeiträume in denen sich der Mensch entlang der großen Flussläufe bewegte und daran aufhielt. In dieser Zeit kam ständig bearbeitetes Material an die Uferränder und auf strategische Erhebungen. So liegt an Hochterrassen und Flußläufen so viel bearbeitetes Material, dass sich noch Generationen von Sammlern damit beschäftigen können.

Altersbestimmungen können hier zumeist anhand von Werkzeugtypen nur grob vollzogen werden. Anders ist dies bei einer Bergkuppe wie in Battenberg, auf der auch Gegenstände wie Lampen, Schalen, Ambosse und dergl. zurückblieben.
Ein solch geschlossener Fundkomplex gibt Aufschluss über Lebensweise und kulturelle Strukturen im Mittelpaläolithikum. Schwangere, Mütter mit Kind, jagbares Wild, Totenverehrung (Vorkommen von Ocker), Boote, wie auch Musikinstrumente wurden hier dargestellt. Selbst Kalender (Bilzingsleben), auch Mond- und Himmelsbilder fanden sich in Battenberg. Einen ähnlichen Fundplatz gibt es bei Sparta vor einem Abri über einem ausgetrockneten Flussbett. Im Aargau liegen über einer Kalksteinkuppe bearbeitete ortsfremde Gerölle aus der Aare.

Aufbauend auf Forschungsergebnisse vorgenannter Wissenschaftler, zu denen auch der späte Alfred Rust gehört, haben engagierte Laienforscher in jahrzehntelanger Arbeit einen Internetauftritt verknüpft der bis nach den USA reicht. Dieses ungemein interessante Fachgebiet wurde zwischenzeitlich eigenständig und steht interessierten Wissenschaftlern für Forschungszwecke jederzeit zur Verfügung.

Die Anlage zeigte eine Auswahl von figürlichen Darstellungen aus Frankreich, Holland, Norddeutschland und Südengland. Vergleichbare Tierdarstellungen finden sich auch im Fundkomplex von Battenberg/Pfalz.


Die Beweisführung

Kriterien zur sicheren Bestimmung von figürlichen Darstellungen von Werkplätzen mit quarzitischem Materialvorkommen wie Battenberg, Lenderscheid, Fontmaure (Jaspis), Sparta, oder aus Hoch- und Mittelterrassen alter Flussbette mit abgerolltem Material, die im Norden auch versunken sein können.
Die Vergleiche tausender bisher ins Internet gestellter Bilder mit Analogien zeigen, dass aus dem Mittel- und Altpaläolithikum nicht nur Material aus Feuerstein vorliegt, sondern auch aus Quarzit und Basalt, die für bessere Darstellungsmöglichkeiten schleifbar sind.

Neben Masken und Dämonengesichtern finden sich besonders viele Darstellungen von Mensch und Tier für eine horizontale Betrachtungsweise freistehend oder mit Steckspitze. Eine Grundform ist vorgegeben und zeigt eine erkennbare Tierart, ein menschliches Gesicht, eine anthropomorphe Gestalt oder ein Mischwesen. Bearbeitungsspuren sind bei Flussgeröllen oft nur noch schwer zu erkennen.

Treffen zumindest zwei dieser vorgegebenen Parameter ein, handelt es sich mit Sicherheit um keine Spiele der Natur, sondern um menschliche Artefakte.

Homo erectus und Neanderthaler lebten und jagten in den Warmzeiten Mitteleuropas oft mehrere zehntausend Jahre mit einer naturverbundenen Religiosität die wir heute als Schamanismus zu bezeichnen versuchen.

Transportable Abbildungen von Mensch und Tier wurden als Glücksbringer getragen oder den Flussgeistern anvertraut. Die Vielzahl dieser vermutlich weltweit aufzufindenden Darstellungen ist in diesen, für uns unvorstellbar langen Zeitabläufen, nicht verwunderlich. Beseelte Werkzeugartefakte mit menschlichen Gesichtern befinden sich als „helfende Hand“ besonders auf mittel- und altpaläolithischen Gerätschaften. Auch auf Großgeräten wie in Battenberg und Tautavel.

Diese Tradition setzte sich fort bis zu den 40- bis 30 000 Jahre alten Elfenbeinfiguren der Schwäbischen Alb. Den 12 000 jährigen Tierfiguren der Tempel von Göbekli Tepe, wo noch Astronomie hinzukam.

Mischwesen (Google/Widipedia) gab es auch hier noch, wie später auch in Ägypten und im vorderen Orient. Zumeist waren es anthropomorphe Gestalten mit Köpfen aus der Tierwelt (Battenberg). Der elefantenköpfige hinduistische Ganesha gilt heute noch als Glücksbringer.




Quarzit mit Wüstenlack, horizontale
Grundform, abgerollt.
Dordogne, Doornekamp 28.10.07


Ganesha, Elfenbein

Erst dem Internet ist es zu verdanken, dass ein Teil der bisherigen Funde international verglichen werden kann.

Fundstellen in alten Flussläufen gibt auch in Ohio und Calif., Calico, 100- 200 000 B.C.
Auf Materialvorkommen, in Battenberg, dem Donnersberg/Rhyolith/Kocher, Lenderscheid/Quarzit/Kocher und Fontmaure, Westfrankreich.

In England gibt es mehrere Fundplätze, besonders entlang der Themse. In Südtirol an der Etsch, Dr. Haller. In Griechenland bei Sparta, Kocher. Schweiz an der Aare, Baumann. Belgien/Holland an Maas, Somme und Rhein, Kiesgruben um Roermond, Boukoulian, van Es. Frankreich haben wir mit Narbonne, Héléna. Tautavel, Kocher. Gironde, Dordogne, Charente, Wimereux.

In Deutchland am Niederrhein, an der Elbe, Wittenbergen, Prof.Dr. Matthes. Groß Pampau, Ursel Benekendorff, www.stoneage-art.de zeigt ca. 2 000 Artefakte.

Die Zentraldatei für Paläolithische Kleinfunde (transportable art) weltweit pflegt Dr. J.B. Harrod, Midmaine, www.originsNet.org .

Kurt E. Kocher 06.01.2008